Bedachtes Vorgehen

Um die globale Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen, muss jetzt gehandelt werden. Die Politik sammelt derzeit Informationen, um Transparenz zu schaffen. Auf spätere Regulationen können sich Unternehmen bereits einstellen. Heute noch unverbindliche Richtlinien zeigen, was zu erwarten ist. 

Es bleiben noch etwa elf Jahre, um die Weichen zu stellen, damit die globale Erderwärmung auf unter 1,5 Grad begrenzt bleibt, wie der Weltklimarat IPCC berechnet hat. Das Ziel der Begrenzung auf 1,5 Grad basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 haben sich die 196 Unterzeichner des Vertrags auf eine Begrenzung auf deutlich unter zwei Grad geeinigt. Werden die nationalen Beiträge von allen Staaten konsequent umgesetzt, laufen wir jedoch auf eine globale Erderwärmung von 3,1 Grad bis zum Jahr 2050 zu. Das ist in 31 Jahren – viele von uns werden die Auswirkungen des Klimawandels mit voller Wucht erleben.

 

EU nimmt Fahrt auf - Um die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, müssen politische Entscheidungen getroffen werden. Derzeit beobachte ich ein sehr bedachtes Vorgehen der Politik sowohl in Europa als auch in Deutschland. Die EU hat im März 2018 einen ambitionierten Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums verabschiedet, der das Thema Klimawandel in den Vordergrund rückt. Ich finde es sehr positiv, was die EU zu diesem Thema unternimmt, auch wenn der Aktionsplan selbst nicht bindend ist. 

„Die EU bewegt sich bei Fragen des Klimarisikos mit

einer Geschwindigkeit, die wir bisher so nicht kannten.“

Beobachter haben mir signalisiert dass sich die Europäische Union bei Fragen zu Klimarisiken mit einer Wucht und Geschwindigkeit bewegt, die wir bisher so nicht kannten. Derzeit tut sich vieles im Bereich des „Soft Law“ – nichtbindende Empfehlungen werden veröffentlicht. Die BaFin hat zum Beispiel ein Merkblatt für Ende 2019 angekündigt. Neben den Regulatoren wird auch der Gesetzgeber zunehmend aktiv. So wurde in Umsetzung der Corporate- Social-Responsibility-Richtlinie in Deutschland eine Berichterstattungspflicht für Unternehmen zu nichtfinanziellen Risiken ins Handelsgesetzbuch aufgenommen. Der Gesetzgeber bringt sich in Stellung, um zeitgemäße Gesetze in Hinblick auf die globale Erderwärmung erlassen zu können. Das ist ein sehr bedachtes Vorgehen. 

11

Jahre bleiben, um

die Erderwärmung

auf 1,5 °C zu begrenzen.

Rund 550 Unternehmen in Deutschland unterliegen der Pflicht, über Umweltbelange zu berichten. Sie werden dazu auch ihre Zulieferer und Kunden erfassen, sodass ein Streueffekt entsteht. Für eine unrichtige Darstellung mit Blick auf Umweltbelange haften die Vertreter der Unternehmen.

 

Diese Vorgabe, auch über Klimarisiken zu berichten, setzt Unternehmen unter Zugzwang. Dabei geht es nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um Szenarien für die Zukunft. Auch für Unternehmen, die nicht der Berichterstattungspflicht nach dem Handelsgesetzbuch unterliegen, ist es sinnvoll, sich mit dessen Anforderungen auseinanderzusetzen. Denn der nächste Schritt des Gesetzgebers werden zunehmend definierte Anforderungen sein. Darauf und auf die Fragen von Stakeholdern wie Investoren kann man sich heute schon vorbereiten.


Update - Doppelte Wesentlichkeit

Wie in den unverbindlichen Leitlinien der EU Kommission von 2017 zur nichtfinanziellen Berichterstattung angegeben, wurde mit der Bezugnahme auf die „Auswirkungen [der] Tätigkeiten [eines Unternehmens]“ ein neuer Faktor eingeführt, der in die Bewertung der Wesentlichkeit nichtfinanzieller Informationen einfließen muss. Mit den unverbindlichen "Leitlinien für die Berichterstatung über nichtfinanzielle Informationen: Nachtrag zur klimabezogenen Berichterstattung" der EU Kommission vom 20. Juni 2019 wurde eine neue Definition der Wesentlichkeit eingeführt - die so genannte „doppelte Wesentlichkeit“. 

Mit der X-Degree Compatibility (XDC) können Sie Ihre Inside-out Perspektive, die "Environmental Materiality" als Teil der doppelten Wesentlichkeit (double materiality) betrachten. Bei Fragen zur doppelten Wesentlichkeit kontaktieren Sie Dr. Sebastian Müller: s.mueller[@]right-basedonscience.de

 

Hier gelangen Sie zur freien Berechnung Ihres Impacts auf das Klima (der Inside-out Perspektive der EU: Environmental Materiality).


Dr. Sebastian Müller, LL.M. ist Mitgründer von right. based on science und verantwortlich für die Implikation rechtlicher und regulatorischer Anforderungen in das X-Degree Compatibility (XDC) Modell. Der Gastbeitrag erschien zuerst in der Ausgabe 7/8 August 2019 des VDMA-Magazins. Mit gut 3.200 Mitgliedern ist der VDMA die größte Netzwerkorganisation und wichtiges Sprachrohr des Maschinenbaus in Deutschland und Europa. Das VDMA-Magazin ist Nachfolger der VDMA-Nachrichten und richtet sich exklusiv an VDMA-Mitglieder. Mit der freundlichen Genehmigung des VDMA-Magazins darf der Text auch hier gelesen werden. Hier finden Mitglieder des VDMA alle Beiträge des VDMA-Magazins zum Download. Take a #glimpseintoright - unsere Blogreihe.