Von der Intention zur Transition

In der Wirtschaft sind die größten Treibhausgas-Emittenten der Welt zu finden. Entsprechend kommt Unternehmen auch die Führungsrolle in der Klima-Transition zu – wenn sie es richtig angehen. Mutige Visionen und ambitionierte Ziele sind zwar notwendige Bedingung, die Krux jedoch liegt in der Umsetzung. Auf der Suche nach den Pionieren einer ebenso ehrgeizigen wie glaubwürdigen Transition hat right° deshalb als wissenschaftlicher Partner zusammen mit dem Handelsblatt den Global Transition Award ins Leben gerufen – als Grundstein für den neuen Klimastandard der deutschen Wirtschaft. Neben der quantitativen Einordnung der Klimaziele basierend auf unserem XDC Modell zählen hier auch qualitative Kriterien hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit, Glaubwürdigkeit und ‚Excecution Readiness‘.

 

Einmal haben wir es schon geschafft: Im Jahr 2020 gingen die weltweiten Emissionen um 8% zurück. Das entspricht der Reduktionsrate, die für die Einhaltung des 1,5°C-Klimaziels von Paris erforderlich ist. Das allerdings Jahr für Jahr und möglichst bei laufender Wirtschaft und Wertschöpfung, ohne Pandemie und nahezu weltweiten Lockdown. Doch das Gegenteil ist eingetreten: In der weltwirtschaftlichen Aufholjagd seit Beginn 2021 wurden sämtliche bisherigen Emissionsrekorde gebrochen.

Hier wird deutlich, wie tiefgreifend die Veränderungen und Transformationsleistungen von Unternehmen eigentlich sein müssen, wenn sie eine Paris-konforme Dekarbonisierung erreichen möchten, ohne dabei den Betrieb einzustellen.

Wie schafft die deutsche Wirtschaft die Klimatransition?

Hannah Helmke und Nicolas Schuerhoff erläutern die Bewertungsmethode des Awards und worauf es jetzt ankommt.

Klimaziel, aber richtig

Als Ausgangspunkt einer wirkungsvollen Klimastrategie ist eine realistische Einordnung des Status Quo erforderlich. Wie ist die Klimaperformance des Unternehmens heute? Und wie groß ist dementsprechend die Lücke zum 1,5°C-Ziel, die es in den kommenden Jahrzehnten zu schließen gilt? Hier ist entscheidend, welche Maßnahmen das Unternehmen in der Vergangenheit vielleicht bereits ergriffen hat. Je niedriger die Emissionsintensität – also das Verhältnis von Wertschöpfung und Emissionen im Ausgangsjahr bereits ist, desto besser ist auch die Klimabilanz.

Dabei dürfen unterschiedliche Branchen und Unternehmensgrößen natürlich nicht über einen Kamm geschoren werden. In unserem Berechnungsmodell wird Klimaperformance in Relation zu sektorspezifischen Benchmarks bemessen. Mehr Information dazu gibt es hier.

Die zweite Frage ist, welche Emissionseinsparungen bereits geplant und welche Ziele definiert wurden. Kommt etwa ein 4°C-Unternehmen durch die gesteckten Ziele rechtzeitig auf die 1,5°C? Oder läge es auch mit den geplanten hybriden Arbeitsmodellen, voll-elektrischem Fuhrpark, vegetarischen Essensangeboten und Wechsel auf Grünstrom noch immer bei 2,2°C?

Aus Ambitionswettbewerb wird Umsetzungswettbewerb

Unsere jahrelange Zusammenarbeit mit Unternehmen vom DAX-Konzern bis zum Startup aus so diversen Branchen wie Luftfahrt, Industrie, Kosmetikbranche, Lebensmitteleinzelhandel oder Logistik hat gezeigt: Häufig ist bereits diese Definition eines Emissionsreduktionspfads, der auch aus klimawissenschaftlicher Perspektive ausreichend ambitioniert ist, um den Anforderungen von Paris gerecht zu werden, eine Herausforderung.

Doch das Klima interessiert sich nicht für Ziele. Die eigentliche Aufgabe ist es, das Klimaziel mit einer tragfähigen Strategie zu untermauern, die operativ umsetzbar und exekutiv gewollt ist. Wir brauchen einen Mindshift von Absichtserklärungen und Visionen hin zur Realisierung. Kurz: Von Ambition zu Umsetzung.

Wie lässt sich aber bewerten, ob eine Klimastrategie glaubwürdig und realisierbar ist? Als wissenschaftlicher Partner haben wir eine Methode für den Global Transition Award entwickelt, die genau diese Frage beantworten soll. Garantien kann es für die Zukunft nicht geben, aber diverse starke Indikatoren zeigen an, ob die richtigen Voraussetzungen geschaffen sind:

  1. Glaubwürdigkeit: Kein tiefgreifender Change-Prozess kann ohne die überzeugte und engagierte Beteiligung der obersten Führungsebene gelingen. Oftmals lassen Webseiten, Marketingbroschüren und nichtfinanzielle Berichte ermutigende Visionen einer grünen Welt entstehen. Wie ernst diese zu nehmen sind, lässt sich allerdings besser aus dem Blick auf die konkreten Prioritäten, Verantwortlichkeiten und finanziellen Anreize des Managements herauslesen. Kurz gesagt: Klima ist Chefsache.
  2. Execution Readiness: Um die Umsetzung einer langfristig angelegten Klimastrategie zu begünstigen, sind die entsprechenden Kompetenzen und Kapazitäten auf Führungsebene entscheidend. Wichtig dabei: Wie werden die Klimaziele in geschäftsstrategische Entscheidungsprozesse integriert? Wird sichergestellt, dass das unternehmerische Handeln den nach außen kommunizierten Werten entspricht?
  3. Umsetzbarkeit: Um eine 1,5°C-konforme Transition zu realisieren, sind ganz konkrete, ausreichend wirkungsvolle Maßnahmen zur Emissionsreduktion, hohe Investitionen in Technologie und Kompetenzaufbau sowie erhebliche personelle Kapazitäten von Nöten. Hinzu kommt, dass die Komplexität des Klimawandels und der Bedarf an innovativen (oder sogar disruptiven) Ideen so groß sind, dass eine ganz neue Generation Fachkräfte gefunden und gewonnen werden muss. Wer keine konkreten Pläne, einschließlich klarer Leistungskennzahlen und Prozesse, definiert, dürfte an der Umsetzung wohl scheitern.

Ein neuer Klimastandard

Die Anforderungen sind also sehr hoch. Doch es gibt sie, die Unternehmen, die sich dieser Veränderung bereits stellen – ob als „Pioneer“ im eigenen Geschäftsbetrieb oder indem sie als „Enabler“ Produkte und Dienstleistungen anbieten, die zur Dekarbonisierung der Wirtschaft insgesamt beitragen. Bisher fehlt es allerdings an Standards, um diese Leistung auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt und verstehbar zu machen. Der Global Transition Award soll den Transition Pioneers und Transition Enablers genau diese Sichtbarkeit geben. Wir sind stolz, als wissenschaftlicher Partner zusammen mit dem Handelsblatt den Grundstein zu legen für einen neuen Klimastandard der deutschen Wirtschaft.

 

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