Klimaneutralität vs. Paris-Konformität

Der Klimawandel ist gerade im Jahr 2020 zu einem dominierenden Thema geworden, das trotz der Coronakrise nicht von der politischen und wirtschaftlichen Agenda verschwunden ist, sondern – im Gegenteil – an Dynamik gewonnen hat. Unternehmen und Staaten überbieten sich mit Versprechungen von Net Zero bzw. Klimaneutralität bis 2030, 2040 oder 2050. Es klingt griffig und ambitioniert.

Aber eigentlich haben wir bereits ein Ziel – eines, auf das sich 197 Länder im Dezember 2015 in Paris geeinigt haben: Die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Ein Grad Celsius Ziel.

Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn wir das uns verbleibende Kohlenstoff-Budget einhalten und Jahr für Jahr unseren Treibhausgas-Ausstoß reduzieren.

Net Zero-Ziele operieren allerdings nicht mit Budgets ab heute, sondern mit einem punktuellen Moment in der Zukunft. Zugespitzt formuliert könnte ein Unternehmen oder ein Staat seinen Treibhausgas-Ausstoß in den kommenden Jahren sogar bis 2049 weiter steigern, um dann im Jahr 2050 durch Kompensationsleistungen auf Netto Null zu kommen. Damit wäre im Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht.

 

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass Organisationen, die ein Netto-Null-Ziel verfolgen nicht auch bereits heute Maßnahmen ergreifen, um ihre Klimawirkung zu reduzieren. Ebenso soll damit nicht kritisiert werden, dass Organisationen sich solch ambitionierte Ziele setzen. Im Gegenteil!

Zu bedenken ist bei entsprechenden Slogans aber immer, dass auch beim Klima gilt: Der Weg ist das Ziel.